1.1 Kurzdefinition
Wasser ist keine Störung des Systems. Es ist eine natürliche Einwirkung, mit der das Bauwerk umgehen muss.
Dichtigkeit ist kein Materialeigenschaft. Sie ist das Ergebnis eines Systems aus Baugrund, Konstruktion, Detailausbildung und Nutzung.
Feuchtebeanspruchung beschreibt die Einwirkung von Bodenfeuchte, Sickerwasser, Hangwasser und drückendem Wasser auf Bauteile unterhalb der projektierten oder realisierten Terrainlinie.
Die Norm SIA 272:2024 regelt für diese Bauteile die Projektierung und Ausführung von Massnahmen zum Schutz gegen eindringendes Wasser (vgl. SIA 272:2024, Ziff. 0.1.1, S. 5).
Dichtigkeitsanforderungen definieren den zulässigen Feuchtezustand der trockenseitigen Bauwerksoberfläche in Abhängigkeit von Nutzung, Schutzbedürfnis und Wasserbeanspruchung.
Sie werden in der Norm SIA 270:2014 über Dichtigkeitsklassen beschrieben (vgl. SIA 270:2014, Tabelle 3, S. 12).
Feuchtebeanspruchung und Dichtigkeitsanforderung stehen damit in einer klaren Beziehung:
Einwirkungen aus dem Baugrund bestimmen das Beanspruchungsprofil.
Die Nutzung des Bauwerks bestimmt die erforderliche Dichtigkeitsklasse.
Diese Logik betrifft sämtliche Bauteile unter Terrain, insbesondere:
- Bodenplatten
- erdberührte Wände
- befahrbare Flächen über unterirdischen Räumen
- Fugen
- Durchdringungen
- Systemwechsel innerhalb der Abdichtungsebene
Aus dieser Kombination ergeben sich die Anforderungen an:
- Projektierung
- Bemessung
- Ausschreibung
- Ausführung
- Abnahme
- Betrieb
Feuchtebeanspruchung und Dichtigkeitsanforderung sind daher keine Detailfragen einzelner Bauteile.
Sie definieren die Systemlogik des Bauwerks unter Terrain.
Abdichtung unter Terrain entsteht aus der Beziehung von
Einwirkung × Nutzung × Systemstrategie.
Die gleiche Logik gilt bei Flachdächern und Terrassen. Nicht das Bauteil bestimmt die Anforderung – sondern die Nutzung darüber.