1.3 Praxisrelevanz
Praxisnotiz: Eine Einstellhalle und ein Archivraum können dieselbe Bodenplatte teilen – aber völlig unterschiedliche Anforderungen an Trockenheit haben.
1.3.1 Typische Projektsituation
Untergeschosse weisen häufig gemischte Nutzungen auf, zum Beispiel:
- Einstellhalle
- Technikräume
- Archivräume
- teilweise beheizte Flächen
Diese Nutzungen teilen sich oft:
- dieselbe Bodenplatte
- dieselben erdberührten Wände
- dieselben Fugen- und Durchdringungszonen.
Die Anforderungen an Trockenheit sind jedoch unterschiedlich.
Prinzip: Die notwendige Dichtigkeit ergibt sich nicht aus dem Bauteil, sondern aus der Nutzung darüber.
1.3.2 Häufigster Fehler
Im Projekt wird „wasserdicht“ bestellt.
Eine Dichtigkeitsklasse gemäss SIA 270 wird jedoch nicht festgelegt.
Auch die Wasserbeanspruchung bleibt unpräzise beschrieben.
Damit fehlen zwei zentrale Grössen des Systems:
- der zulässige Feuchtezustand der trockenseitigen Oberfläche
- das Einwirkungsprofil aus dem Baugrund.
Viele Konflikte bei Feuchtstellen entstehen nicht durch Baufehler, sondern durch unklare Leistungsdefinition.
„Wasserdicht“ ist keine technische Spezifikation.
Eine Einstellhalle und ein Archivraum können dieselbe Bodenplatte teilen – aber völlig unterschiedliche Anforderungen an Trockenheit haben.
Unklare Anforderungen führen zwangsläufig zu Konflikten bei der Abnahme.
1.3.3 Konsequenz
Fehlen diese Definitionen, entstehen im Projektverlauf typische Konflikte:
- kein klar definierter Zielzustand
- unklare Prüfstrategie
- Diskussionen bei Feuchtstellen
- Vertrauensverlust zwischen Projektbeteiligten.
Der Konflikt entsteht dabei selten aus mangelnder Sorgfalt einzelner Beteiligter.
Er entsteht aus einer unklaren Leistungsdefinition.
Systemmodell
Dichtigkeitsanforderung entsteht aus zwei Grössen:
Einwirkung aus dem Baugrund
+ zulässiger Feuchtezustand der Nutzung.
1.3.4 Didaktische Einordnung
Dieser Eintrag legt die Systemgrundlagen für Abdichtungen unter Terrain:
- physikalische Einwirkungen
- normative Anforderungen
- Ableitung der Dichtigkeitsklassen
- Konsequenzen für Projektierung, Ausschreibung, Ausführung und Betrieb.
Die folgenden Einträge bauen darauf auf und vertiefen einzelne Aspekte:
- Abdichtungskonzepte als Planungsinstrument
- Ausschreibung und Führungslogik
- systemspezifische Abdichtungstechnologien.
Die gleiche Konfliktlogik findet sich bei Luftdichtheit, Schallschutz und Brandschutz:
Ohne klar definierte Zielwerte wird Qualität schwer prüfbar.