2.1 Wasser als strukturelle Einwirkung
Unter Terrain ist Wasser kein Ausnahmefall. Es ist der Normalzustand.
Die Frage lautet nicht, ob Wasser vorhanden ist.
Die Frage lautet, wie das Bauwerk damit umgeht.
Bauteile unter Terrain stehen nicht gelegentlich, sondern strukturell unter Feuchte- und Wassereinwirkung.
Der Kontakt mit Erdreich bringt dauerhaft ein Bündel möglicher Wasserbeanspruchungen mit sich, insbesondere:
- wechselnde Bodenfeuchte
- Sickerwasser, das zeitweise aufstauen kann
- drückendes Wasser bei anstehendem Grundwasser oder Hangwasser
- kapillaren Wassertransport im Porenraum von Baustoffen
- Wasserdampfdiffusion zwischen Erdreich und Bauwerk.
Diese Einwirkungen sind keine Ausnahmezustände.
Sie bilden das typische Einwirkungsprofil unter Terrain.
Die Norm SIA 272:2024 definiert den Geltungsbereich entsprechend eindeutig:
„Die vorliegende Norm regelt die Projektierung und Ausführung von Massnahmen zum Schutz vor eindringendem Wasser in unterirdische Bauten. Sie gilt für sämtliche Bauteile unterhalb der projektierten bzw. realisierten Terrainlinie.“
(SIA 272:2024, Ziff. 0.1.1, S. 5)
Damit ist normativ festgelegt:
Sobald ein Bauteil unterhalb der Terrainlinie liegt, ist Wasser als Einwirkung grundsätzlich zu berücksichtigen.
Die konkrete Ausprägung dieser Einwirkung – etwa Bodenfeuchte, aufstauendes Sickerwasser oder drückendes Wasser – bestimmt später das Beanspruchungsprofil, aus dem die Anforderungen an das Abdichtungssystem abgeleitet werden.
Ein Bauteil unter Terrain steht immer im Spannungsfeld von Wasser – Baugrund – Bauwerk.
Ähnliche strukturelle Einwirkungen finden sich auch bei Flachdächern: Wasser muss immer als dauerhafte Einwirkung gedacht werden.